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Tag 2: Seetag auf der Nordsee – Im Sturmfenster gen Norden

Schon gegen Mitternacht, als wir die Elbmündung passierten und auf die offene Nordsee steuerten, war das erste leichte Schaukeln zu spüren. Für mich persönlich ja ein absolutes Plus – ich liebe Wellengang einfach!

Dass wir unsere Reise überhaupt planmäßig starten konnten, hatten wir unserem Kapitän Felix Rothe und seinem Team zu verdanken. Er nutzte geschickt ein Zeitfenster, bevor der Wind so richtig aufdrehte. Wie heftig die Wetterlage wirklich war, zeigte sich am Schicksal unseres Schwesterschiffs: AIDAperla, die uns am Vorabend auf der Elbe begegnet war, musste in Hamburg ganze zwei Tage im Hafen abwettern. Auch auf AIDAprima ging man auf Nummer sicher: Das Schiff wurde vorsorglich komplett „sturmfest“ gemacht – eine Standardmaßnahme bei angekündigtem Unwetter, um Schäden am Interieur zu vermeiden.

Sonne am Morgen, Wellentanz am Mittag

Als wir morgens aufwachten, zeigte sich die Nordsee zwar bewegt, aber mit 3 bis 4 Metern Welle noch im absolut angenehmen Bereich. Bis 11:00 Uhr schien sogar immer wieder die Sonne durch die Wolken und es sah richtig freundlich aus. In seiner Durchsage um 10:00 Uhr beruhigte Kapitän Rothe die Gäste: Es sei derzeit etwas ruhiger als in der Nacht, gegen Abend könne der Seegang jedoch noch einmal zulegen.

Er behielt recht – allerdings schneller als gedacht. Gegen 12:00 Uhr kippte das Wetter:

  • Der Wellengang nahm innerhalb kürzester Zeit spürbar zu.
  • Die öffentlichen Bereiche an Bord wurden merklich leerer.
  • In den Treppenhäusern tauchten die typischen Spuckbeutel auf – und leerten sich genauso schnell.

Jetzt trennte sich die Spreu vom Weizen! Während etliche Passagiere mit der Seekrankheit kämpften, machte mir der Seegang zum Glück gar nichts aus. Ich verbrachte den Mittag ganz entspannt im Theatrium und in den Restaurants.

Sturm-Höhepunkt: 8 Meter Wellen & Orkanböen

Auf unserer Kabine ganz vorne im Bug auf Deck 5 war die Gewalt der See besonders eindrucksvoll: Bei jedem Wellenschlag bebte es spürbar. Wer einen empfindlichen Magen hatte, zog es eher in die Mitte des Schiffes. Ein paar Gäste wanderten sogar samt Decken und Kissen temporär auf Deck 3 beim Pier 3 Market, da das Schiff dort am ruhigsten lag.

Gegen Nachmittag erreichten wir schließlich den Höchststand des Sturms:

  • Wellenhöhen: Bis zu 8 Meter
  • Wind: Orkanartige Böen
  • Außenbereiche: Fast vollständig gesperrt (Luftschnappen war nur noch im geschützten Bereich auf Deck 15 beim Beach Club möglich).

💡 Meine goldenen Regeln gegen Seekrankheit:

  1. Niemals mit leerem Magen unterwegs sein – immer gut essen!
  2. Frische Luft tut gut. Manchen hilft es auch auf das Meer zu schauen.
  3. Und im Zweifel gibts auch Hilfe in Form von Tabletten oder Infusionen im Hospital. ;)
Deck 6 - Blick aus dem Theatrium, die Wellen waren teilweise höher als wir...

Aus der Prime Time: Die stürmischen Details & Plan B des Kapitäns

Abends bei der Prime Time verriet uns Kapitän Felix Rothe noch weitere faszinierende Details zum Tag: Während wir das Glück hatten, in einer Schneise des Sturms zu navigieren, war AIDAsol auf ihrem Kurs von Schottland nach Norwegen mittendurch das Tief gefahren und wurde ordentlich durchgeschüttelt. Etwas weiter nördlich lag die durchschnittliche Wellenhöhe bei 10,1 Meter - Glück gehabt. Laut Kapitän haben die Norweger auch sehr gute Wettermodelle, weshalb man sich recht gut auf die Angaben verlassen kann.

Sogar für unsere Route gab es handfeste Notfallpläne, falls die Schneise geschlossen worden wäre:

  • Plan A (Abwettern im Skagerrak): Kapitän Rothe hätte den kleinen Hafen von Lillesand angesteuert – den kennt er gut, um das Schiff dort sicher vor dem Ärgsten zu schützen.
  • Plan B (Vorzeitige Fjord-Zuflucht): Als zweite Option war bereits die Anfrage gestellt worden, vorzeitig direkt in den geschützten Eidfjord einzufahren, um dort das Unwetter abzuwarten.

Zu wissen, wie vorausschauend die Schiffsführung agiert, gab einem trotz der 8-Meter-Wellen ein absolut sicheres Gefühl. Wobei wir uns selbstverständlich zu keinem Zeitpunkt in einer für das Schiff gefährlichen Situation befanden.

💡 Die goldenen Regeln an Bord bei Seegang:

  1. Die goldene Regel der Kapitäne: „Immer eine Hand fürs Schiff, eine Hand für sich selbst!“ Das ist bei starkem Wellengang überlebenswichtig, da das Schiff jederzeit unvorhergesehene, plötzliche Bewegungen machen kann.
  2. Der Magen-Trick: Niemals mit leerem Magen unterwegs sein – regelmäßiges, leichtes Essen hilft dem Körper enorm.
  3. Blickkontakt: Den Blick immer weit auf den Horizont richten, um dem Gleichgewichtssinn Orientierung zu geben.

Zum Ausklang dieses aufregenden Tages wartete noch ein visuelles Highlight auf uns: Im Beachclub gab es am Abend eine beeindruckende Lasershow, begleitet von der Live-Musik unserer Bordband. Da der stürmische Tag den meisten Passagieren aber doch spürbar in den Knochen steckte, ging es hier deutlich ruhiger zu als sonst. Viele genossen einfach die entspannte Atmosphäre, während das Schiff sanft durch die Nacht gleitete.

So ging ein turbulenter, aber unglaublich faszinierender und schöner Seetag zu Ende – mit voller Vorfreude auf das, was uns am nächsten Morgen erwarten sollte: unser erster Landgang in Norwegen!

Weiter geht es in Bergen

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